Carlos Gaa: Leben

Carlos Gaa wurde am 16. Juni 1871 in Malaga geboren, wo sein Vater eine Maschinenfabrik besaß. Er war Deutscher, aber die Mutter Andalusierin (Anm. vermutlich Franziska Gonzales aus Malaga). Beide starben sehr früh, so daß der Knabe bereits in seinem neunten Lebensjahre mit zwei Schwestern und einem Bruder nach Deutschland kam, wo er bei Verwandten in Frankfurt erzogen wurde. Schon als junger Ingenieur zeichnete er sich so sehr aus, daß ihn im Alter von 22 Jahren die Brown, Boveri-Gesellschaft 1893 mit dem Bau und Betrieb des Städtischen Elektrizitätswerkes Frankfurt betraute. Auch den Bau des Mannheimer Elektrizitätswerkes leitete er um die Wende des Jahrhunderts und schritt von Erfolg zu Erfolg vorwärts. Es ist hier nicht der Ort, über die eminente Bedeutung Carlos Gaas auf seinem eigentlichen Berufsgebiet in Mannheim zu sprechen, wo er als Mitglied des Vorstandes der Brown, Boveri & Co. A.-G. tätig war. Auch wurde das schon anläßlich seines ganz plötzlich und unerwartet erfolgten Todes von berufenerer Seite getan. Erwähnt sei nur, daß ihn die Technische Hochschule in Karlsruhe anläßlich des 25. Dienstjubiläums in Anerkennung seiner großen Verdienste um die Elektrotechnik 1918 durch Verleihung des Ehrendoktortitels auszeichnete, zu dem später noch die Würde eines Ehrenbürgers der Stadt hinzukam. Die stark schöpferische Arbeit seines Lebenswerkes, die sich mit so viel Energie in allem zu erkennen gab, was er unternahm, zeigte sich aber auch in der andern Seite seiner Wesensart, ich meine in seiner stillen, zielbewußten Tätigkeit als Kunstfreund und Sammler, die ihm das Leben an der Seite einer verständnisinnig auf seine Neigungen eingehenden Gattin (Anm. Marie Gaa, geb. Reuther einer Nichte von Carl Altenkirch dem Ur-Großvaters des Stifters) erst lebenswert machte. Er begann mit dem Sammeln im Jahr seiner Eheschließung 1908. … “ [1]. Im Jahre 1908 starb auch Carlos Gaas Schwiegervater, der Industrielle Carl Reuther.

Carlos Gaa lebte in der Villa Gaa in der Bassermannstr. 38 in Mannheim [2] und starb am 24. April 1924 überraschend im Alter von nur 53 Jahren. Er ruht auf dem Mannheimer Hauptfriedhof (bei der Trauerhalle) im Grab der Töchter und Schwiegersöhne von Carl und Marie Reuther.

Literatur:

[1] Max Lehrs in Boerner, C.G. Versteigerungskatalog: Sammlung kostbarer alter Kupferstiche, Holzschnitte und Radierungen des in Mannheim verstorbenen Dr. Ing. h.c. Carl Gaa, Leipzig, 1926. (Link zur online Version des Katalogs bei der Uni Heidelberg)

[2] Werner, Ferdinand. Mannheimer Villen: Architektur und Wohnkultur in den Quadraten und der Oststadt, Beiträge zur Mannheimer Architektur- u. Baugeschichte Band 6, Wernersche Verlagsgesellschaft, Worms, 2009. (Leseprobe bei Google Books)