Klaus Ferdinand Thormaehlen: Leben

Hanau: Klaus Ferdinand Thormaehlen wurde am 23. April 1892 als jüngster Sohn des Lehrers für Architektur der dortigen Kunstakademie

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Prof. Emil Thormählen und der

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Kunstgewerbeschullehrerin Else Thormählen (geb. Altenkirch) geboren. Er war der jüngere Bruder des Kunsthistorikers Prof. Dr. Ludwig Thormaehlen, der dem Stefan-George-Kreis angehörte.

Köln: 1913 legte Klaus Thormaehlen sein Abitur am dortigen Friedrich-Wilhelm-Gymnasium ab, wo sein Vater Direktor der Kunstgewerbeschule war.
Zürich: Von 1913 bis 1914 studierte er Maschinenbau.
Berlin: 1914 studierte er kurzzeitig Philosophie in Berlin wo sein älterer Bruder an der Nationalgalerie arbeitete.
Bonn: Von 1914 bis 1915 studierte er Staatswissenschaft.
Mannheim: 1915 wurde er in einer Granatzünder-Fabrik in Mannheim dienstverpflichtet. 1916 absolvierte er eine Militärausbildung zum Fernmeldetechniker und leistete
Kriegsdienst an der Westfront als Fernmelder. Wegen einer Kniebeschädigung wurde er 1917 ausgemustert.

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Foto: Klaus Thormaehlen (1. Reihe, 3. v.l.) im Kreise seiner Familie und Mitgliedern des VfL 1848 e.V. Bad Kreuznach im Jahre 1916 bei der goldenen Hochzeit seiner Großeltern vor der Freitreppe auf der Südseite der Rheingrafenstr. 9 in Bad Kreuznach (Nachlass Klaus Thormaehlen)

Darmstadt: Ab 1917 absolvierte er ein Studium an der Technischen Universität  und schloss dieses 1922 als Diplom-Ingenieur für Maschinenbau und Elektrotechnik ab.

Mannheim: Von 1922 bis 1924 arbeitete Klaus Thormaehlen in seiner ersten Anstellung als Dipl. Ingenieur bei Brown, Boveri & Cie. wo zu dieser Zeit Dr. Ing. h.c. Carlos Gaa Vorstandsmitglied war. Dr. Gaa war mit Marie Reuther verheiratet. Diese war eine der Familie Thormaehlen nahe stehende Cousine von Klaus Thormaehlens Mutter.

Seine erste Frau war Margarethe Thormaehlen (geb. Hohbach -† 1936), die er bei Ausflügen mit dem Rad ins Schwäbische kennenlernte. Aus dieser Ehe gingen die Kinder, Ludwig, Klaus, und Dorothea hervor. Margarethe starb 1936 an den Folgen eines Straßenbahnunglücks in Dortmund. Die beiden Söhne fielen im 2. Weltkrieg. Ludwig fiel 1942 in El Alamain. Klaus blieb 1942 als Heeresflieger in Polen vermisst.

Hagen: Von 1924 bis 1928 war er in Herdecke Betriebsleiter des Kraftwerkes „Cunowerk“ des Kommunalen Elektrizitätswerkes Mark AG Hagen [3]. Während dieser Tätigkeit arbeitete er sich in die Thematik der Kohlenstaubfeuerung ein. Er erhielt dazu drei Patente [10].
Dortmund: Von 1929 bis 1937 war er Kraftwerksleiter in der Zeche Gneisenau der Harpener Bergbau AG in Dortmund-Derne.

Zeche Gneisenau
Foto: (Fotograf unbekannt):  Zentralförderschacht Gneisenau 4, ein 1934 in seiner Konstruktion einmaliges Doppelbockstrebengerüst [1]. Das Kraftwerk welches Klaus Thormaehlen zu dieser Zeit leitete, lieferte den für den Betrieb der zwei Förderanlagen notwendigen Dampf. Daher war er an der Planung, Herstellung und dem Betrieb dieser Anlage beteiligt. Der Doppelbock steht heute noch und wird von einem Förderverein [2] erhalten.

Von 1937 bis Anfang 1945 war er als Betriebsleiter für die Zeche Gneisenau und später auch für die Zeche Scharnhorst verantwortlich [4]. Bereits 1935 wurde mit einer Belegschaft von 2.500 Beschäftigten eine Förderung von über einer Million Tonnen Kohle pro Jahr erreicht.

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Foto: ca. 1940, Klaus Thormaehlen an seinem Schreibtisch (Nachlass Klaus Thormaehlen)

Klaus heiratete am 19.01.1940 in Dortmund Dora Hilde Thormaehlen (*02.12.1912 in Bremenhain, †26.03.2000 in Meisenheim). Hilde war eine Enkelin des Unternehmers Eduard Tillgner und hatte seit dem Herbst 1938 in Lünen im Haushalt der Familie Thormaehlen als Haushälterin gelebt.

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Foto: Hochzeit Klaus und Hilde Thormaehlen am 19.01.1940 in Dortmund

Aus dieser Ehe gingen die Kinder, Johannes-Theodor (Stifter), Alexandrine, Gundula und Bernhild hervor.

Am 01. April 1941 starb sein Vater Emil Thormaehlen in Bad Kreuznach.

Klaus Thormaehlen freundete sich in Dortmund mit dem aus Russischer Kriegsgefangenschaft geflohenen Werner Warsinsky [5] an. Die beiden Männer verband seit dem eine lebenslange Freundschaft. Klaus Thormaehlen las das Manuskript der Kimmerischen Fahrt [6] und beriet den Autor wegen des Titels dieses international preisgekrönten Werks.

Bad Kreuznach: Ab Ostern 1945 bewirtschaftete Klaus Thormaehlen so wie bis 1941 sein Vater das Weingut und die Weinkellerei Carl Altenkirch seiner Mutter Else Thormaehlen geb. Altenkirch in der Rheingrafenstr. 9 in Bad Kreuznach. Bei schweren Bombenangriffen 1944/1945 auf Bad Kreuznach brannte sein am Bahnhof Rheingrafenstr. gelegenes Elternhaus vollständig aus und konnte zum großen Teil nicht wieder aufgebaut werden. Bei diesem Brand gingen die meisten Kunstgegenstände und persönlichen Erinnerungen aus dem Besitz der traditionsreichen Familien Eccardt, Altenkrich und Thormaehlen unwiederbringlich verloren. Hilde und Klaus Thormaehlen mussten nach dem Krieg ihre fünf Kinder mit Hilfe des Weinguts Altenkirch und einem Weinausschank an der Stadtmauer ernähren. Um finanzielle Notlagen der Familie zu überbrücken, mussten in der Nachkriegszeit einige Weinberge und Äcker aus dem Erbe der Familien Eccardt und Altenkirch in und um Bad Kreuznach veräußert werden. Vom älteren und kinderlosen Bruder Ludwig Thormaehlen kam für seine Familie keine finanzielle Unterstüzung, obwohl Ludwig einige im Krieg unzerstörte Mietshäuser in Bad Kreuznach geerbt hatte. So vermachte Ludwig Thormaehlen mit seinem künstlerischen Nachlass nach seinem Tode 1956 auch seine Häuser seinem langjährigen Freund Dr. phil. Walther Greischel [9] und nicht der Familie seines Bruders. Auch die ehemals wohlhabende Familie Eduard Tillgner aus der seine Frau Hilde entstammte, kam durch die nationalsozialistische Bodenreform und die Vertreibungen 1945 in den Ostgebieten um ihren gesamten Besitz. So musste der Lebensunterhalt der Familie Thormaehlen aus den Einnahmen des Weinguts bestritten werden, auf dem deswegen auch der Stifter  in seiner Freizeit aktiv mitarbeiten musste. Der produzierte Wein wurde in den 1960er Jahren öfters in die USA exportiert, wie dies schon zu besseren Zeiten von der Familie Eccardt betrieben wurde. Später wurden auch wiederhergestellte Teile des Gebäudes Rheingrafenstr. 9 an Angehörige der in Bad Kreuznach stationierten U.S. Armee vermietet. Trotz der wiedrigen Umstände, was den Lebensunterhalt für seine Familie anging, nahm sich Klaus Thormaehlen die Zeit für seine künstlerische Tätigkeit.

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Foto: 1962: 70. Geburtstag auf der Terrasse der Rheingrafenstr. 9 Bad Kreuznach (Nachlass Klaus Thormaehlen)

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Foto: 1978: v.l. Hans-Theo Thormaehlen (Sohn und Stifter), Klaus Ferdinand Thormaehlen, Karsten Thormaehlen (Enkel), Frederik Thormaehlen (Enkel und Stiftungsvorstandsvorsitzender) im Foyer der Rheingrafenstr. 9 in Bad Kreuznach

Klaus Thormaehlen starb am 04. Juli 1981 an den negativen Folgen eines bei einem Sturz in seinem Garten zugezogenen Oberschenkelbruchs.

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Grabstein Klaus Thormaehlen Hauptfriedhof, Mannheimer Str. 249 in Bad Kreuznach, Foto: Frederik Thormaehlen, 2015

Weblinks
[1] Zeche Gneisenau bei Wikipedia (zuletzt aufgerufen am 24.03.2015)
[2] Förderverein des ehemaligen Bergwerks Gneisenau in Dortmund Derne (zuletzt aufgerufen am 24.03.2015)
[3] Cuno-Kraftwerk bei Wikipedia (zuletzt aufgerufen am 24.03.2015)
[4] Thormaehlen, Klaus, Das Kraftwerk Gneisenau der Harpener Bergbau AG, Artikel in der Berg.- u. Hüttenmännischen Zeitschrift Glückauf, Nr. 45, 69. Jahrgang, S. 1053-1061, 11.11.1933, Dortmund.
[5] Werner Warsinsky bei Wikipedia (zuletzt aufgerufen am 24.04.2016)
[6] Der Spiegel 48/1953: Literaturpreis. Brüche ohne Nenner, vom 25. November 1953  (zuletzt aufgerufen am 24.04.2016)
[7] Ruhrnachrichten vom 06.08.2010 zur Beziehung Klaus Thormaehlens zu Werner Warsinsky (zuletzt aufgerufen am 24.04.2016)
[8] Aus Anlass des 100. Geburtstages von Werner Warsinsky gab der Kunstverein Lünen eine Monographie heraus mit Beiträgen von Georg Almus, Thomas Notthoff und Hans-Theo Thormaehlen: „100 Jahre Werner Warsinsky 1910 -2010“, Lünen 2010 (Veröffentlichungen zu Kunstschaffenden, Kunst- und Kulturförderern des Raumes Lünen)
[9] Greischel, Friedrich Traugott Walther, Dr. phil. Lebenslauf auf den Seiten der Uni Magdeburg (zuletzt aufgerufen am 24.08.2016)
[10] Klaus Thormaehlen bei Wikipedia (zuletzt aufgerufen am 24.08.2016)