Alexe Altenkirch: Werk

Berufliche und schulische Ausstellungen
Alexes Arbeit, die ganz im Dienst ihrer Aufgaben in der Werbeabteilung der Firma Zanders und parallel dazu in der Förderung und Ausbildung junger Kunstgewerblerinnen und später auch vereinzelter Grafiker stand, hatte sich als Ziel gesetzt, die „Werke“ in Ausstellungen dem Publikum vorzustellen, der kritischen Bewertung von Fachleuten auszusetzen, sie an dem zeitgemäßen Kunststil messen zu lassen, besonders aber, ihre Schüler mit ihren erworbenen Fähigkeiten damit für die Erlangung eines Arbeitsplatzes in der Industrie zu vermitteln oder durch auffälliges, modernes künstlerisches Design werbewirksam Aufträge für Schule und Firma zu bekommen.

Köln
Besondere Aufmerksamkeit fand die Werkbundausstellung in Köln 1914, wo sie mit ihren Schülerinnen für die Ausgestaltung des keramischen Innenhofes sowie eines Bibliothekraumes im Haus der Frau verantwortlich war, dessen Design so beeindruckte, dass die Firma Zanders ihn aufkaufte und in das Privathaus einbauen ließ. Zur Eröffnung der Kölner Messe 1925 oder für die PRESSA 1928 – Ausstellung für die Deutsche Papierindustrie – war die Klasse Altenkirch ebenso mit Entwürfen zur Ausstellung und Verfertigung von Plakaten eingeschaltet, wie 1930 bei Entwürfen von Städtewappen für das Deutsche Turnfest oder für Schwenkfahnen für das „19. Deutsche Bundesschiessen.“

Bergisch Gladbach
Ihr Arbeitgeber, die Papierfabrik I.W.Zanders und vor allem deren Chefin, die Witwe Olga Zanders, profitierten von dem unermüdlichen Arbeitseinsatz und der richtungsweisenden Werbewirksamkeit der grafischen Arbeit ihrer Werbechefin: Die neue Industriewerbung, die zuvor freischaffenden Künstler, Malern und Architekten vorbehalten war, zeigte sich besonders bei der „ Musterkollektion für Papier“, bei Ausstellungen der Firma Zanders im In- und Ausland, u.a. in Dresden, in Leipzig bei der BUGRA, der Faserstoffausstellung in Turin 1911 und später nach dem 1. Weltkrieg. Herausgehoben wird Alexes Mitarbeit an einem Bild mit der Ansicht der Papierfabrik für die Weltausstellung in Brüssel 1918 und einer Dokumentation in Buchform auf eigenem Büttenpapier zur Jahrhundertfeier der Firma im Jahr 1929. Ihre Wertschätzung wird deutlich daran, dass sie nach der Fertigstellung der Gronauerwald – Siedlung in Bergisch Gladbach von Olga Zanders eins der Wohnhäuser geschenkt bekam, dass sie aber nach ihrem Tod zurück vererbte. Beide Frauen verband eine herzliche Freundschaft, die sich auch in den Tagen von Alexes langjährigen Leiden sehr bewährte, da sie regelmäßig von Olga bei ihren Kuraufenthalten in Partenkirchen oder Bad Wörishofen begleitet wurde.

Würdigung ihrer künstlerischen und pädagogischen Leistungen
Zeitlebens hat Alexe Altenkirch, die ganz selten ihre Bilder signiert oder auch datiert hat, kein Interesse gehabt, eine Ausstellung ihrer Gemälde zu initiieren. Diese befanden sich meistens im Besitz der Mitglieder der Familie Zanders, ein kleinerer Teil war im Probiersaal des großväterlichen Weinguts Carl Altenkirch ausgestellt und diente dazu, die Gäste zu beeindrucken oder als Geschenk an Geschäftsführer oder Familienmitglieder verteilt zu werden. Ihre Beliebtheit bei den Schülerinnen, unter denen sich auch Margrete Zanders, die Tochter ihrer Chefin, befand, veranlasste diese, ihren 60. Geburtstag mit einem großen Kostümfest im Garten der Villa Zanders zu feiern. Dieser Ort war auch jahrelang für die Klassen Altenkirch ein Refugium gewesen, um im Freien zu zeichnen oder im angrenzenden Glashaus die Strukturen von Blumen und Pflanzen als Muster für Stoffdrucke zu studieren und zu malen.

Bad Kreuznach
Wegen ihrer fortschreitenden Krankheit suchte sie die Nähe ihrer Schwester Else Thormaehlen, die mit ihrem pensionierten Mann zu Beginn der dreißiger Jahre nach Bad Kreuznach ins Elternhaus Rheingrafenstr. 9 zurückgekehrt war. Alexe bewohnte dort zwei Zimmer im Parterre zwischen dem Kontor und dem Probiersaal. Ihr Wohnraum wurde das „ blaue Zimmer „ genannt, in dem viele Bilder von zeitgenössischen Malern aufgehängt waren, deren Malweise sie schätzte und persönlich kannte. Hatte sie doch durch ihr Kunststudium und der Beschäftigung mit der Druckgrafik Kontakt auch zu Künstlern des Jugendstils, so hatte sie ihr Neffe Prof. Dr. Ludwig Thormaehlen, der als Kunsthistoriker Custos für Moderne Kunst an der Nationalgalerie in Berlin geworden war, schon früh mit der Malweise der Expressionisten bekannt gemacht, von deren Erich Heckel häufig bei Familienfeiern zugegen war. Ihres 70. Geburtstags gedachten sehr viele ehemalige Schülerinnen und „Honorationen“ der Stadt Köln mit schriftlichen Glückwünschen. Ob ein Gedicht ihres anderen Neffen Dipl.-Ing. Klaus Thormaehlen mit der Zusammenfassung ihres Lebensweges bei ihr während ihres Kuraufenthaltes eingetroffen war und sie erfreut hatte, kann bezweifelt werden. Seine Hochachtung aber für sie kann auch daraus erschlossen werden, dass er für seine kurz zuvor geborene Tochter Elisabeth Charlotte, – obwohl ihre Mutter sie ursprünglich nach ihrer früh verstorbenen Zwillingsschwester Ilse-Lotte benennen wollte, – als 3. Vornamen „Alexandrine“ eintragen ließ, welche diese nach ihrer Auswanderung in die USA im Jahr 1964 als einzigen Vornamen „Alex“ verwendete, da ihr der abgekürzte Rufname „Ilott“ nicht mehr zusagte.

Eine erste Ausstellung von Alexes Werken organisierte Margarete Zanders im Jahr 1976 im Kulturhaus der Stadt Bergisch Gladbach, der ehemaligen Villa Zanders, und verfasste dazu einen Bericht im Rheinisch- Bergischen Kalender 1977 mit dem Titel „Alexe Altenkirch: Malerin Werbegrafikerin und Pädagogin – Eine Frau prägte die frühe Industriewerbung zur Zeit des Jugendstils –“ [2]. Zu dieser Ausstellung verfasste der spätere Professor für Kunstgeschichte an der Uni Bonn Dr. Heijo Klein einen Katalog, da er ein detailliertes Wissen aus dem inzwischen eingerichteten Archiv Zanders in Bergisch Gladbach schöpfen konnte [1]. Auf seine Anregung verfasste Anna Elisabeth Jux aus Bergisch Gladbach im Jahr 1989 ihre Magisterarbeit an der Philosophischen Fakultät der Uni Bonn mit dem Titel „Alexe Altenkirch – die Malerin und ihre Schüler in Bergisch Gladbach“.

Zum 50. Todestag erschien im „ÖFFENTLICHEN ANZEIGER von Bad Kreuznach Nr. 223 am 25. Sept. 1993 ein Artikel über Alexe Altenkirch „ein fast vergessenes Talent – Kreuznacherin wirkte in Köln – dem Jugendstil und Bauhaus nahe „, den ihr Großneffe Johannes-Theodor Thormaehlen (der Stifter) ihr zu Ehren verfasst hatte.

Weitere Zeitungsartikel: „Alexe Altenkirch und ihr künstlerisches Schaffen“ in Neue Deutsche Frauen-Zeitung 5. Jahrg. 3o.JAHRG. 1910
„Zum 70. Geburtstag von Professor Alexe Altenkirch“ von Olga Zanders in Kölnische Zeitung Abendblatt am 4. Juli 1941
Zeitungsartikel zur Verleihung der Würde „Professor“ mit Würdigung ihrer Verdienste zum abgerundeten sechsten Jahrzehnt in Kölner Zeitungen (aus Stiftung Zanders in Bergisch Gladbach)

Literatur:

[1] Heijo Klein: Alexe Altenkirch Ausstellungskatalog. Städtische Galerie Villa Zanders Bergisch Gladbach, 1976.

[2] Margarete Zanders: Alexe Altenkirch: Malerin Werbegrafikerin und Pädagogin – Eine Frau prägte die frühe Industriewerbung zur Zeit des Jugendstils, im Rheinisch-Bergischen Kalender. Heimatjahrbuch für den Rheinisch-Bergischen Kreis, 47. Jahrgang, Heider-Verlag, 1977.